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mohrruebe.html 07.12.2017

Die Mohrrübe

Copyright Helmar Kloss, 2002

                                                             

     Sie kennen vielleicht die Geschichte von der Mohrrübe, die man dem Esel an einen Stock gebunden am Kopf so festmacht, daß sie ihm vor der Nase herumbaumelt, woraufhin er - nach der Mohrrübe gierend - brav den Wagen zieht und den Dienst tut, den er sonst sehr oft verweigert, auch wenn man ihn mit Stockhieben traktiert. Woran sich ablesen läßt, daß sogar bei Eseln eine Belohnung - oder das Versprechen einer solchen, denn er kriegt die Mohrrübe ja garnicht wirklich oder zumindest nicht gleich - mehr hilft als noch so viel und harte Prügel.
     Der Mensch kommt sich sehr klug und überlegen vor, wenn er solche Tricks erfindet, und amüsiert sich köstlich über den dummen Esel! Aber das wirklich Dumme an der Geschichte ist etwas ganz anderes. Nämlich das ist, daß der Mensch im Grunde ganz genauso funktioniert. Zwar kann man ihn nicht mit einer Mohrrübe verlocken, - es muß schon etwas mehr sein. Und man kann ihm das sehnlichst Erstrebte auch nicht am Kopf festbinden, so daß er es selbst vor sich herträgt, - d a s merkt er! So schlau ist er immerhin. Aber i n seinem Kopf kann man alles Mögliche und vor allem auch Unmögliches unterbringen, um ihn dazu zu bringen, zu tun, was immer man wünscht. Und “Unmögliches“ hier wirklich ganz im Ernst gemeint. Das Unmögliche, an das zu glauben man die Menschen gebracht hat, nennt sich z.B. “Wunder“ oder Weiterleben nach dem Tode oder Auferstehung. Der Wunderglaube beschränkt sich aber nicht nur auf katholische Gläubige, sondern ist viel weiter verbreitet als man glauben möchte.
     
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