Seite/page 97.8  zurück
peterklossprinzip.html 11.10.2014

Helmar Kloss

Grenzen des 'Peter-Prinzips'; Copyright 2000-2019

                                                             

     Das Peter-Prinzip besagt, daß in einer Hierarchie jeder Angestellte dazu tendiert, bis zu der Ebene aufzusteigen, auf der er inkompetent ist. Auf Englisch: “in a hierarchy, every employee tends to rise to his level of incompetence.” (MLA Style: "Peter, Laurence J(ohnston)." Encyclopædia Britannica. Encyclopædia Britannica 2009 Ultimate Reference Suite. Chicago: Encyclopædia Britannica, 2009).
     Ich bin im Laufe meines Lebens – darunter vor allem durch Erfahrungen in 14 Jahren als freiberuflicher Unternehmensberater – zu der Ansicht gelangt, daß dieses Prinzip zwar wirksam ist, jedoch ein entschieden zu optimistisches Bild zeichnet, denn es berücksichtigt die folgenden Konsequenzen nicht:
     Inkompetente Menschen tolerieren neben und vor allem unter sich nur noch inkompetentere Menschen, da sie Konkurrenz fürchten. Sie setzen all ihre Kraft und Macht dazu ein, kompetentere Menschen kleinzumachen, zu diskreditieren und/oder zu vergraulen oder auf sonst irgendeine Weise 'unschädlich' zu machen.
      Ich nenne es das 'Peter-Kloss-Prinzip'.
      Besonders verheerend wirkt sich das Peter-Kloss-Prinzip in der Politik aus. Erstens erkennt die große Masse der Wähler Inkompetenz nicht, sondern läßt sich von Versprechungen sachlich inkompetenter Blender verführen. Zweitens kommt es in der Politik auf sachliche Kompetenz gar nicht an, weil (fast) alle inkompetent sind. Das kann man unter anderem daran ablesen, daß (fast) alle Minister/innen glauben, jedes Ministerium leiten zu können.
      Um ein Auto fahren zu dürfen, muss ein Mensch eine Menge lernen und sich Prüfungen unterziehen. Wenn er beim Fahren Fehler macht, wird er mit Geldstrafen belegt, oder ihm wird sogar der Führerschein entzogen.
      Die einzigen Prüfungen, die Politiker bestehen müssen, um Macht über andere Menschen ausüben zu können, bestehen darin, die Wählergunst zu erlangen. Irgendein Können oder Wissen müssen sie nicht nachweisen.
      Vielleicht kann man sogar sagen: Je inkompetenter und ignoranter ein Politiker ist, desto weniger werden ihn irgendwelche Sachkenntnisse oder moralische Bedenken daran hindern, die Machtspielchen zu spielen, auf die es in der Politik vor allem ankommt.
zurück